{"id":8848,"date":"2025-08-09T14:16:37","date_gmt":"2025-08-09T12:16:37","guid":{"rendered":"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/?page_id=8848"},"modified":"2025-08-09T14:17:37","modified_gmt":"2025-08-09T12:17:37","slug":"die-dramatische-geschichte-eines-rehauer-tlfs","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/?page_id=8848","title":{"rendered":"8. Die dramatische Geschichte eines Rehauer TLF\u00b4s"},"content":{"rendered":"\n<p>Als im Januar 1969 die damalige F\u00fchrung der Freiwilligen Feuerwehr Rehau bei der Stadtverwaltung die Beschaffung eines weiteren Tankl\u00f6schfahrzeuges beantragte, ahnte wohl niemand, welch tragische und schicksalhafte Wendung diese Geschichte in den folgenden Jahren nehmen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der Reihe nach:<br>Im Antrag wurde auf die besondere Verantwortung der Rehauer Wehr hingewiesen. Als St\u00fctzpunktfeuerwehr war sie nach dem Alarmplan bei Eins\u00e4tzen der Alarmstufe 1 f\u00fcr 16 Gemeinden zust\u00e4ndig, bei den Stufen 2 und 3 sogar f\u00fcr alle Gemeinden des Landkreises Rehau zur nachbarlichen L\u00f6schhilfe verpflichtet. Angesichts dieser hohen Einsatzbereitschaft erschien die Anschaffung eines zweiten Tankl\u00f6schfahrzeuges unabdingbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals gab es im gesamten Landkreis nur ein solches Fahrzeug \u2013 das Rehauer TLF 15, Baujahr 1950. Die Notwendigkeit war also offensichtlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits wenige Tage nach der Antragstellung, am Mittwoch, den 29. Januar 1969, pr\u00e4sentierte die Kl\u00f6ckner-Humboldt-Deutz AG vor dem Feuerwehrger\u00e4tehaus Rehau ihr modernstes Modell: das TLF 16 auf neuem Frontlenker-Allradfahrgestell. Anwesend waren B\u00fcrgermeister Gustav Stang, Mitglieder des Stadtrates, Vertreter der Stadtverwaltung, Feuerwehrdienstleistende und G\u00e4ste aus dem gesamten Landkreis. Die Vorstellung sorgte f\u00fcr Aufsehen \u2013 schlie\u00dflich setzten die meisten Hersteller wie Mercedes-Benz und MAN zu dieser Zeit noch auf Hauber-Fahrgestelle. Das Frontlenkerkonzept von Magirus Deutz galt als zukunftsweisend und beeindruckte alle Anwesenden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Stadtratssitzung vom 26. Februar 1969 fiel der Beschluss einstimmig: Die Stadt Rehau bestellt ein TLF 16 des Fabrikats Magirus zum Angebotspreis von 83.650 DM. Zur Normbeladung nach DIN kamen noch Sonderw\u00fcnsche hinzu \u2013 ein gr\u00f6\u00dferer L\u00f6schwassertank mit 2.722 Litern, ein A-Sauganschluss an der Fahrzeugfront sowie eine neuartige Lenkhilfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verwaltung hatte urspr\u00fcnglich eine Auslieferung im Juli 1969 ins Auge gefasst. Doch Magirus konnte diesen Termin nicht halten. Zun\u00e4chst wurde Anfang September vorgeschlagen, doch aufgrund von Lieferengp\u00e4ssen bei Zulieferern verschob sich der Termin erneut \u2013 bis schlie\u00dflich Mitte Dezember 1969 feststand.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 18. Dezember 1969 reiste eine Abordnung der Rehauer Wehr nach Ulm, um das neue Fahrzeug pers\u00f6nlich abzuholen. Schon am Folgetag traf das TLF 16 in Rehau ein. Das Erscheinungsbild war f\u00fcr die damalige Zeit markant: schwarze Kotfl\u00fcgel und Sto\u00dfstange, dazu ein strahlend wei\u00dfer K\u00fchlergrill.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/image-1.png\"><img decoding=\"async\" width=\"909\" height=\"677\" data-id=\"8850\" src=\"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/image-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8850\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das TLF 16<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/image.png\"><img decoding=\"async\" width=\"809\" height=\"570\" data-id=\"8849\" src=\"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8849\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Ger\u00e4tewarte mit Kommandant bei Magirus in Ulm<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Am 10. Januar 1970 wurde das Fahrzeug offiziell in Dienst gestellt. Die Feuerwehr Rehau verf\u00fcgte nun \u00fcber zwei Tankl\u00f6schfahrzeuge \u2013 ein enormer Fortschritt f\u00fcr die Sicherheit in Stadt und Landkreis. Von nun an konnte ein Fahrzeug f\u00fcr \u00fcber\u00f6rtliche Hilfe ausr\u00fccken, w\u00e4hrend das andere den Schutz im Stadtgebiet sicherstellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Einsatz des TLF 16 lie\u00df nicht lange auf sich warten. Am 18. M\u00e4rz 1970 kam es in der Stauffenbergstra\u00dfe bei Reinigungsarbeiten zu einer schweren Explosion. Eine Gro\u00dfmutter und ihr vierj\u00e4hriger Enkel wurden schwer verletzt, eine Wohnung unbewohnbar.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber zwei Jahre verrichtete das TLF 16 zuverl\u00e4ssig seinen Dienst, rollte zu Brandeins\u00e4tzen, technischen Hilfeleistungen und \u00dcbungen \u2013 ein treuer, kraftvoller Begleiter der Rehauer Wehr.<br>Doch am Pfingstmontag, den 22. Mai 1972, sollte sich das Blatt wenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ein warmer Fr\u00fchsommertag. Um 13 Uhr begann die Sonntagswache in der Goethestra\u00dfe \u2013 ein routinierter Dienst f\u00fcr die sechs Mann starke Wachmannschaft. Niemand ahnte, dass dieser Tag nicht in ruhiger Bereitschaft enden w\u00fcrde, sondern in einem Einsatz, der die Feuerwehr selbst treffen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Nachmittag bestiegen drei Kameraden das m\u00e4chtige, tonnenschwere TLF 16 zu einer harmlos erscheinenden Funk\u00fcbungsfahrt in und um Rehau. Der Motor brummte, das Fahrzeug zog seine Bahn \u00fcber die Landstra\u00dfen. Zwischen Fa\u00dfmannsreuth und Rehau, in der N\u00e4he des Waldhauses, geschah es:<br>Ein kurzer Moment der Unruhe \u2013 das rechte Bankett gab nach. Das Fahrzeug rutschte, die R\u00e4der verloren Halt. Sekunden sp\u00e4ter krachte das schwere L\u00f6schfahrzeug in eine Reihe massiver Fichten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"549\" height=\"641\" src=\"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/image-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8851\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das TLF kurz nach der Rettung eines Wehrmannes&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Aufprall war so heftig, dass die Front verzweifelt gegen die St\u00e4mme gepresst wurde. W\u00e4hrend der Maschinist und ein weiterer Mitfahrer wie durch ein Wunder unverletzt blieben, wurde der dritte Feuerwehrmann in der Kabine eingeklemmt. Ein Albtraum in Rot und Chrom.<\/p>\n\n\n\n<p>Minuten zogen sich wie Stunden. Forstbeamte und Polizisten k\u00e4mpften sich mit Werkzeugen vor, um den Verletzten aus dem deformierten Fahrerhaus zu befreien. Schlie\u00dflich gelang es \u2013 schwer gezeichnet, mit einem komplizierten Oberarmbruch und einer massiven Gehirnersch\u00fctterung, wurde er dem Rettungsdienst \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das TLF stand nun still. Sein Rahmen verbogen, seine Front zerschmettert. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"632\" height=\"464\" src=\"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/image-3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8852\" style=\"width:424px;height:auto\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dennoch klammerte sich die Feuerwehrf\u00fchrung an die Hoffnung, es k\u00f6nne im Werk gerettet werden. Tage sp\u00e4ter rollte es \u2013 nicht mehr aus eigener Kraft, sondern verladen auf einem Eisenbahnwaggon \u2013 vom G\u00fcterbahnhof Rehau Richtung Ulm.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"508\" height=\"325\" src=\"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/image-4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8853\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das verladene TLF am Bahnhof in Rehau<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In der Zwischenzeit stellte Magirus ein Leihfahrzeug bereit \u2013 ein exotisches Modell aus einem eigentlich f\u00fcr Korea bestimmten Kontingent. Doch das Gutachten der Bayerischen Versicherungskammer lie\u00df keine Illusionen zu: 60.000 DM f\u00fcr die Reparatur, 90.000 DM f\u00fcr ein neues Fahrzeug.<\/p>\n\n\n\n<p>Im September 1972 fiel der Beschluss \u2013 und er tat weh. Das einst so stolze, modernste Tankl\u00f6schfahrzeug des Landkreises sollte verschrottet werden. Damit endete die Geschichte eines Fahrzeugs, das mit gro\u00dfen Erwartungen gekommen war \u2013 und in einem einzigen Augenblick in den Reihen seiner eigenen Kameraden zu einem tragischen Kapitel wurde.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"text-align: right; font-style: italic; margin-top: 2em;\">\n  Ausarbeitung von Volker Bucher<br>\n  Bericht von Lukas Bucher\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als im Januar 1969 die damalige F\u00fchrung der Freiwilligen Feuerwehr Rehau bei der Stadtverwaltung die Beschaffung eines weiteren Tankl\u00f6schfahrzeuges beantragte, ahnte wohl niemand, welch tragische und schicksalhafte Wendung diese Geschichte in den folgenden Jahren nehmen w\u00fcrde. Doch der Reihe nach:Im Antrag wurde auf die besondere Verantwortung der Rehauer Wehr hingewiesen. 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