{"id":8888,"date":"2025-08-25T18:41:04","date_gmt":"2025-08-25T16:41:04","guid":{"rendered":"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/?page_id=8888"},"modified":"2025-08-25T18:41:05","modified_gmt":"2025-08-25T16:41:05","slug":"10-die-feiertags-und-sonntagswache","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/?page_id=8888","title":{"rendered":"10. Die Feiertags- und Sonntagswache"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Von der Idee bis zur Abschaffung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Bereitschaftsdienste gab es bei der Feuerwehr der Stadt Rehau bereits seit der Neuorganisation<br>nach den Kriegswirren Ende der 1940er Jahre. Grund war hierf\u00fcr die Tatsache, dass in den<br>Sommermonaten, vor allem an den Sonn- und Feiertagen auch die Feuerwehrm\u00e4nner mit ihren<br>Familien gerne etwas unternommen haben. Dies war f\u00fcr die Feuerwehr aufgrund der<br>Alarmierung und der erst stattfindenden Motorisierung ein ernsthaftes Problem. Viele<br>Kameraden bekamen einen Alarm somit gar nicht mit oder man kam nicht schnell genug zum<br>Feuerwehrger\u00e4tehaus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Um dieses Problem zu bew\u00e4ltigen, waren Kameraden eingeteilt, welche im Besitz einer<br>Rundsteueranalge waren. Die jeweils sechs eingeteilten M\u00e4nner stellten somit eine Wache in<br>ihren eigenen vier W\u00e4nden und eilten bei Alarm sofort zum \u201eGer\u00e4tehaus\u201c in den Stadtwerken.<br>Eine Wache direkt in den R\u00e4umen der Feuerwehr war aufgrund fehlender R\u00e4ume schlicht weg<br>nicht m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Dieses System bew\u00e4hrte sich und man konnte bei einem Schadensfall relativ z\u00fcgig ausr\u00fccken.<br>Mit dem Bau und der Inbetriebnahme des neuen Feuerwehrger\u00e4tehauses an der Goethestra\u00dfe<br>im Jahr 1965 wurden auch Diskussionen um eine neue Form der Sonntagswachen laut. Die<br>Mannschaft wollte nun Wachen im neuen Geb\u00e4ude abhalten, allen voran auch jene Kameraden,<br>welche nicht an die Rundsteueranlage angeschlossen waren und somit nicht von Anfang an zu<br>Eins\u00e4tzen alarmiert werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Die F\u00fchrung seinerzeit, lie\u00df zwar bereits einen Wachraum im Neubau mit planen und errichten,<br>wollte aber die Wache nicht ins Ger\u00e4tehaus verlagern. Ein Grund waren hier auch die Bedenken<br>dann in Zukunft \u00fcber Entsch\u00e4digungen zu diskutieren.<br>Zusammen mit dem 1. B\u00fcrgermeister Stang gelang es dann aber den Kameraden Dietrich, Lang,<br>Rothemund und Bayreuther die F\u00fchrung zu \u00fcberzeugen und feste Wachen von 4 \u2013 6 Mann, in der<br>Zeit von Mai bis September zwischen 13:00 und 18:00 Uhr im neuen Ger\u00e4tehaus einzuf\u00fchren.<br>Es l\u00e4sst sich nur vermuten, dass der Druck der Mannschaft derart gro\u00df gewesen sein muss, dass<br>sich das \u201eneue Wachsystem\u201c an Sonn- und Feiertagen im Feuerwehrger\u00e4tehaus an der<br>Goethestra\u00dfe durchgesetzt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Der Vorteil dieser Bereitschaftswache, umgehend mit dem ben\u00f6tigten Feuerwehrfahrzeug vom<br>Ger\u00e4tehaus ausr\u00fccken zu k\u00f6nnen, lie\u00df sich wohl auch nicht verachten.<br>Vielleicht wollte man auch unter und mit den Kameraden zusammen die Wachzeit verbringen<br>und so f\u00fcr die Sicherheit der B\u00fcrger Rehaus zu sorgen, als jeder f\u00fcr sich alleine zu Hause.<br>Die Chance dies im neu errichteten Ger\u00e4tehaus zu tun, bot sich an und wurde schlie\u00dflich auch<br>ergriffen und umgesetzt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"1043\" height=\"677\" src=\"https:\/\/feuerwehr-rehau.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/image-10.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8890\" style=\"width:561px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abschrift aus dem Protokoll der Verwaltungsratsitzung am 22.09.1965<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Am 01. Mai 1966 zog schlie\u00dflich um 13:00 Uhr zum ersten Mal die Feiertagswache im neuen<br>Ger\u00e4tehaus auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Diese erste Wache bestand aus den Kameraden Fritsch, Kropf, Sack, Mocker, Steiner und<br>Rothemund H. und es sollte auch sein, dass genau diese 6 Kameraden der ersten Stunde auch<br>den ersten Wacheinsatz fuhren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Zu ihrem zweiten Bereitschaftsdienst am 03.07.1966 musste diese M\u00e4nner n\u00e4mlich mit dem<br>Tankl\u00f6schfahrzeug TLF 15 einen Bahndammbrand zwischen Rehau und Wurlitz l\u00f6schen, welcher<br>durch hei\u00df gelaufene Bremsen eines, durch eine Dampflok gezogenen, G\u00fcterzuges ausgel\u00f6st<br>wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>W\u00e4hrend der Wachzeit herrschte f\u00fcr die eingeteilten Kameraden Alkoholverbot, da es ja jederzeit<br>zu einem Alarm kommen konnte. W\u00e4hrend dieser Zeit wurden im und ums Feuerwehrhaus in der<br>Regel in der ersten H\u00e4lfte der Wachzeit einige Arbeiten erledigt. So wurden zum Beispiel<br>Schl\u00e4uche gewaschen, abgenommen oder repariert. Fahrzeuge gewaschen und gereinigt und<br>stellenweise auch Ausbildung durchgef\u00fchrt. Jede Wache k\u00fcmmerte sich auch um ihre Brotzeit.<br>Hier wurde f\u00fcr die anwesenden Kameraden von ortsans\u00e4ssigen Metzgern beispielweise<br>Brotzeiten geholt. Einige Wachen organisierten sich bei nahegelegenen Festen ihre Brotzeit und<br>andere Wachmannschaften grillten auch einmal selbst am Ger\u00e4tehaus.<br>Diesen Lieferservice der Brotzeiten \u00fcbernahmen auch gerne die Jugendlichen der<br>Jugendfeuerwehr, welche am Sonntagnachmittag immer wieder gerne bei der Sonntagswache<br>vorbeischaute und zusammen mit den aktiven Kameraden so sinnvoll ihre Freizeit verbrachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">In der zweiten H\u00e4lfte eines jeden Wachtages wurde dann meist der Bereitschaftsdienst gelebt.<br>Kameraden spielten Karten, reinigten ihre Fahrzeuge oder spielten auch mal mit der Jugend eine<br>Runde Fu\u00dfball auf dem Vorplatz oder Tischtennis im Keller.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Weiterhin war an diesen Tagen der Sommermonate auch das hauseigene Feuerwehrmuseum im<br>Keller f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung ge\u00f6ffnet. Hier kamen auch regelm\u00e4\u00dfig Besucher aus Nah und Fern.<br>Kam es zu einem Einsatz, so entschied der anwesende Gruppenf\u00fchrer aufgrund der<br>Alarmmeldung mit welchem Fahrzeug die Wache ausr\u00fcckt. In der Regel wurde der Alarm auch<br>f\u00fcr die freien Kr\u00e4fte ausgel\u00f6st, was den Vorteil hatte, dass weitere Kameraden mit weiteren<br>Fahrzeugen nachr\u00fccken konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Gerne wurde aber auch die Sonntagswache \u00fcber Telefon von der Polizei informiert, wenn es sich<br>um kleinere T\u00e4tigkeiten oder Hilfeersuchen handelte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Schaut man sich die Statistik der gesamten Bereitschaftszeit an, so merkt man schnell, dass in<br>den 30 Jahren der Feiertags- und Sonntagswachen eine eher ern\u00fcchternde Zahl an Eins\u00e4tzen<br>zusammenkam. Insgesamt wurden an den 712 Tagen Bereitschaft von allen Wachen lediglich 47<br>Eins\u00e4tze gefahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Das Spektrum der Eins\u00e4tze umfasst allerdings die gesamte Bandbreite. Von der Tierrettung,<br>Keller unter Wasser, Container-, Wald-, Feld-, PKW, Schuttplatz- und Gro\u00dfbr\u00e4nde \u00fcber<br>Feueralarme der Brandmeldeanlagen bis zu schweren Verkehrsunf\u00e4llen mit eingeklemmten<br>Personen war in all den Jahren dennoch alles dabei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Leider kam es in dieser Zeit auch zu dem verheerenden Eigenunfall des damals neuen TLF 16,<br>wo sich ein wachhabender Kamerad so schwer verletzte, dass ein weiteres aus\u00fcben von<br>Feuerwehrdienst nicht mehr m\u00f6glich war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Einige besondere Eins\u00e4tze sollen hier aufgef\u00fchrt und nicht unerw\u00e4hnt bleiben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"display: flex; justify-content: center;\">\n  <ul style=\"list-style: none; text-align: left; padding: 0; margin: 0;\">\n    <li>03.07.1966 \u2013 12:55 Uhr \u2013 Bahndammbrand, Rehau \u2013 Wurlitz <strong>\u2192 erster Einsatz der Wache<\/strong><\/li>\n    <li>20.07.1969 \u2013 14:28 Uhr \u2013 Gro\u00dfbrand Ziegelei in Mittelweisenbach<\/li>\n    <li>22.05.1972 \u2013 15:05 Uhr \u2013 schwerer Verkehrsunfall mit TLF 16-neu, HO 4, h\u00f6he Waldhaus<\/li>\n    <li>07.08.1977 \u2013 15:30 Uhr \u2013 Brand Trafo nach Blitzeinschlag, Umspannwerk Schwarzenbach\/S.<\/li>\n    <li>10.06.1982 \u2013 14:15 Uhr \u2013 Bergung von 600 Schuss MG-Munition, Wurlitz<\/li>\n    <li>05.06.1988 \u2013 15:53 Uhr \u2013 Waldbrand, Neuhausen, Waldabteilung Spinne<\/li>\n    <li>26.06.1988 \u2013 17:55 Uhr \u2013 Gro\u00dfbrand Schrottplatz, G\u00fcterbahnhof Rehau<\/li>\n    <li>21.08.1988 \u2013 15:39 Uhr \u2013 Gro\u00dfbrand landw. Anwesen, Martinlamitz<\/li>\n    <li>04.05.1989 \u2013 15:50 Uhr \u2013 Brand Produktionsraum, Porzellanfabrik Zeh Scherzer &amp; Co.<\/li>\n    <li>30.07.1995 \u2013 14:55 Uhr \u2013 Fl\u00e4chenbrand, B15 h\u00f6he Kautendorf<\/li>\n    <li>16.06.1996 \u2013 13:46 Uhr \u2013 schwerer VU, Personen eingeklemmt, B 15 h\u00f6he Kautendorf<\/li>\n    <li>11.08.1996 \u2013 15:49 Uhr \u2013 BMA, REHAU AG \u2013 Technetium, Fehl. <strong>\u2192 letzter Einsatz der Wache<\/strong><\/li>\n  <\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Auch wenn die Wacheins\u00e4tze \u00fcberschaubar blieben, hatte die Zeit der Sonntagswachen doch<br>auch Gutes. Es wurde nicht nur Pr\u00e4senz gegen\u00fcber der Rehauer Bev\u00f6lkerung gezeigt, das<br>Ger\u00e4tehaus inkl. dem Museum mit Leben und Besuchern gef\u00fcllt, sondern auch \u2013 und das ist<br>eigentlich der wichtigste Aspekt einer Freiwilligen Feuerwehr \u2013 die Kameradschaft gepflegt und<br>gehegt. Die altgedienten und die jungen Kameraden kamen so zusammen, tauschten sich aus<br>und lernten voneinander.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Auch ich d\u00fcrfte dieses ganz besondere Flair der Sonn- und Feiertagsbereitschaft als<br>Jugendlicher noch erleben und auch genie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Leider wurde seitens der Stadtverwaltung Rehau beschlossen, aufgrund Einsparung der<br>eingef\u00fchrten Wachausl\u00f6se der Kameraden dieses Instrument abzuschaffen.<br>Zumindest die Einsatzzahlen, die bereits lange eingef\u00fchrte stille Alarmierung und dem schnellen<br>ausr\u00fccken zu jeder Zeit lie\u00dfen dies zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>So kam es dann, dass am 08.09.1996 das letzte Mal eine Sonntagswache ihren Dienst in der<br>Goethestra\u00dfe verrichtete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>Interessanterweise mit dem Gruppenf\u00fchrer Helmut Rothemund, welcher bereits zur aller ersten<br>Wache am 01.05.1966, als damals junger Feuerwehrmann, Dienst hatte.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"text-align: right; font-style: italic; margin-top: 2em;\">\n  Ein Bericht von Volker Bucher\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Idee bis zur Abschaffung Bereitschaftsdienste gab es bei der Feuerwehr der Stadt Rehau bereits seit der Neuorganisationnach den Kriegswirren Ende der 1940er Jahre. 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